In Kirgisistan kennzeichnet man Autos so:
Gleich hinter der Grenze zu Usbekistan liegt Osch. Von dort sind es dann nur noch 580 km bis Kaschgar in China. Osch war dann auch der Startpunkt meiner Tour durch Tadjikistan. Näheres ist im Tadjikistan Teil beschrieben.
Vorfahren der heutigen Kirgisen sind türkische und mongolische Stämme, wobei anthropologisch der mongolische Einfluss überwiegt und sprachlich der türkische. Sprachlich und ethnisch sind die Kasachen die nächsten Verwandten der Kirgisen.
Der Kalpak, eine früher in Zentralasien weit verbreitete Kopfbedeckung, wird hier auch heute noch gern getragen.
Ganz so üppig geht es den Leuten nicht. Ich glaube aber nicht, dass das an der Ausbeutung durch die frühere Kolonialmacht liegt. Das Land hat erhebliche Vorräte seltener Erden und von Gold. Nur ausbuddeln muss man sie schon und die Winter sind sehr kalt und die Sommer sehr heiß.
Ein schnelles Schlückchen hilft, solche Sorgen zu vergessen. Beinahe jeder Tante Emma Laden bietet es an! Aber nicht allen, dort laufen etliche bärtige junge Männer rum, die einen seltsamen Glanz in den Augen haben und keinen Kalpak Teil auf dem Kopfe haben. Die können natürlich auch nicht den ganzen Tag durcharbeiten. Die unbedingt erforderlichen Gebete kosten einschließlich der An- und Abreise zur Moschee schon ein wenig Zeit. Jetzt hat gerade der Ramadan angefangen und das ist dann auch so etwas wie ein Monat Holiday fürs ganze Land.
Dafür aber hat das Land eine stabile Währung. Die wird sogar in den Nachbarländern angenommen. Nicht dagegen die Usbekistans und Tadjikistans. Böse Zungen berichten, dass in Turkmenistan auch das eigene Geld nicht genommen wird.
Eigentlich ist es von Osch bis Tadjikistan nicht sonderlich weit. Erst geht es mal durch grünes Land und Dörfer, in denen die Tradition noch lebt.
Dann ragt so eine Art Wurmfortsatzes Usbekistans nach Kirgisistan. Die alte Straße war 30 km lang und die Umgehung so 150 km. Zur Ehrenrettung beider Länder sei gesagt, Busse dürfen die kürzere Strecke fahren. Natürlich nur in Begleitung schwer bewaffneter usbekischer Soldaten, die in voller Kampfmontur dafür sorgen, dass keiner illegal einreist. Aus usbekischer Sicht macht dieser Appendix durchaus Sinn. Es handelt sich dabei um bewässertes fruchtbares Land. Den Kirgisen blieb dagegen Wüste.
Und tschüs Pamir Highway.
Nur wenige km entfernt erhebt sich dieses Teil, so gute 7000m hoch. Die sowjetische Kolonialverwaltung nannte ihn Pik Lenin. Die Kirgisen nennen ihn heute Berg der Unabhängigkeit.
So sah die Landschaft vom Berg der Unabhängigkeit nach Osch zurück aus.
Nicht, dass hier jemand glaubt, ich hätte hier Bilder aus der Schweiz eingeschmuggelt. Heidi hat nie in einem solchen Haus gewohnt.
Das shared Taxi schaffte die 600 km von Osch nach Bischkek in so 10 Stunden. Hätten wir noch unseren Leihwagen gehabt, es hätte 2 Tage gebraucht. So viele Fotostopps wären erforderlich gewesen. Der Fahrer aber wollte nur nach Hause! Leider gehen aus einem fahrenden Auto kaum gute Bilder.
Dann wurde es auch ein wenig zu früh dunkel und heftiger Regen setzte ein.
Marschrutkas sind ein großartige Sache. Fährt man damit von einer Endhaltestelle zur anderen ist das beinahe so gut wie eine geführte Stadtbesichtigung. Bischkek habe ich mir so ein wenig genauer angesehen.
Am einen Ende der Stadt ganz einfache Häuser und sehr schlechte Straßen an dem anderen die Häuser mit hohen Mauern umgeben und die Fenster vergittert und schlechten Straßen. Hier am „besseren“ Ende zu wohnen, da kommt dann doch das auch aus Thailand bekannte wohlige Zuchthausgefühl auf.
Ein wenig irritiert hat mich die Straßenbeleuchtung dort. Zwar sehr viele Leuchtkörper aber meistens doch nur Attrappen! Da Bürgersteige wie auch Straßen viele und auch tiefe Löcher haben, muss man besonders nachts aber auch am Tage schon ganz schön aufpassen. Und für den Straßenverkehr hat das natürlich auch den Vorteil, Raser gibt es dort nicht und auch kaum Zweiräder den Verkehrsfluss behindern.
Mit der Unabhängigkeit entstanden repräsentative Bauten. Mit der zuvor erlernten Geschmackssicherheit aber (besseren?) Materialien.
Manchmal, stöbere ich so ein wenig in Leserbriefen und qualitativ Vergleichbarem, habe ich den Eindruck, dass manch einer den Untergang der sozialistischen Wirtschaftsordnung bedauert. Erklären kann ich mir das nur so, dass die nie gesehen haben, wie Kuhn Iwan wirklich lebte.
Gerne hätte ich ja mal so einen Bau von innen gesehen. Das ging in Osch, ein Hostel dort hatte einige Etagen angemietet. Bisher hatte ich es für Feindpropaganda gehalten, dass in der Sowjetunion Heizkörper ohne Ventile montiert wurden. Einmal sehen ist immer besser als 10-mal hören, in „meiner“ Wohnung stimmte das.
Sparsam, wie man damals war, Küche und Bad liegen nebeneinander. Das erspart einen Steige- und einen Fallstrang. Die Aufputz geführten Rohrleitungen haben auch nur Vorteile. Man kann leicht ein T-Stück einsetzen und Leckstellen lassen sich auch gut finden. Genial fand ich den schwenkbaren Auslauf. So etwas erspart eine komplette Armatur.
Die Treppenhäuser, einfach nur traurig. Auch ist es völlig in Vergessenheit geraten, dass man mal anstreichen kann. Ich will aber nicht ungerecht sein, es liegt zwar etlicher Müll dort rum. Nirgends aber habe ich erlebt, dass Müll einfach so aus dem Fenster entsorgt wird. Das ist wohl eher in einigen Gegenden Deutschlands üblich.
Die Fenster sind von Hause aus nur einfach verglast. Aber um die Mieten nicht ins unermessliche steigen zu lassen, dürfen Mieter auf eigene Kosten neue Fenster einbauen lassen. Da dies dem Geschmack des Einzelnen überlassen ist sorgt das für abwechslungsreiche Fassaden.
Gut ausgedacht hatten sich die Planer das schon als sie überall Vorgärten anlegten. Nur, inzwischen ist alles kapitalistisch organisiert und im Gegensatz zu einer sozialistischen Wirtschaftsverfassung kostet nunmehr die Pflege von Vorgärten Geld. Das aber ist auch hier wie überall im Kapitalismus Mangelware und da die Mieten sozialverträglich sein müssen sehen die Vorgärten entsprechend aus. Ich will aber nicht ungerecht sein, ganz vereinzelt habe ich schon mal gepflegte Anlagen gesehen.
Aber wie so oft. Die geldgierigen Eigentümer haben schnell herausgefunden, dass man den Platz auch gewinnbringend für Garagen nutzen kann.
Vergleiche ich aber diese Siedlungen mit den auch heute noch sehr viel einfacheren Wohnanlagen in den Dörfern dort muss ich aber auch zugeben, dass sie einen gewaltigen Fortschritt im Wohnkomfort boten. Schade eigentlich, dass man sie heute so vergammeln lässt. Das wird im Russland des Zaren Waldi I bestimmt ganz anders sein.
Gern hätte ich gewusst, was mit den Abwässern passiert. Aber selbst gut Englisch sprechende Leute dort verstanden meine Frage nicht.